Das Leben ist ein mieses Arschloch- oder das Schicksal kann mich mal.

Im christlichen Sinne würde man wohl sagen, dass Gott mir Aufgaben gibt um an diesen zu wachsen. Langsam frage ich mich, ob es nicht reicht-ob ich nicht schon genug an mir gewachsen bin? Offentsichtlich nicht.

Die dritte Woche in der neuen Stadt beginnt. Seitdem ich hier bin, liefen Tinder, Lovoo und OKC und ich traf mich mit einigen sehr interessanten Männern. Letzte Woche war daher selbst für mich eine Ueberraschung, dass ich wenige Nächte alleine schlief und viel und guten Sex hatte. Alan, einer dieser Männer, ist der erste den ich hier traf.

Wir haben uns auf Lovoo gefunden. Ein Mann der mich vom optischen nicht sofort ansprach, aber sein Blick, sein Lächeln und seine „Erscheinung“ reizten mich sehr. Also verabredeten wir uns in der Uni zum Mittagessen.

Bis dahin wusste ich nur, dass er für die Uni an der ich studiere arbeitet- nicht aber das er tatsächlich ein Dozent ist und eine gar nicht so unwichtige Rolle für einen Studiengang übernimmt. Klischee erfüllt- Date mit einem Dozenten.

Alan und ich sprachen viel beim ersten Treffen, tranken danach noch Kaffee und liessen die Zeit viel zu schnell vorbeigehen. Was für ein toller Mann. Sehr reflektiert, rhetorisch ein Gedicht und in seiner Art beinhaltet er eine Liebe, die tief aus seinem Inneren zu kommen scheint. Wir schrieben die Tage ein paar mal nach dem ersten Treffen und verabredeten uns zu einem weiteren Treffen für die nachfolgende Woche. Auch dieses war schön. Er ist voll mit Witz und Charme und wir lachten, während wir draussen auf der Terrasse der Mensa sassen und unseren Kaffee trunken.

Das nächste Treffen sollte nun also bei ihm stattfinden. Wein und Dvd`s waren geplant. Also holte er mich Samstag spät Abends ab, damit wir zu ihm fahren könnten. Angekommen fand ich eine grosse Wohnung vor. Sie war voll mit kleinen Gimmicks von seinen vielen Dienstreisen, voll mit bunten Accesoires, bestückt mit allerlei Fotos und das Highlight war eine kleine Golfbahn im Flur, welche gegenüber von dem Basketballkorb an der Badezimmertür stand. Ein kleines, grosses Kind, mitte 30.

Wir setzten uns in die Küche, er ass noch etwas und wir fingen an Wein zu trinken und zu reden. Ich höre ihm unheimlich gerne zu. Seine Art sich zu artikulieren ist eine, welche mir neu ist. So ganz anders und charmant, ständig mit englischen Wörtern durchzogen und stets an einem kleinen Sarkasmus behaftet.

Wir verbrachten den Abend auf der Couch- ohne Dvds, aber mit Rotwein und Vodka. Wir lachten und philosophierten, bis es irgendwann 3 Uhr morgens war und ich beinah in seinen Armen einschlief. Also gingen wir ins Bett, wo wir uns weiter im Arm hielten und nach einiger Zeit küssten und verzehrten. Sex im dunkeln. Aufregend und eine Art des Sexes, welche ich lange nicht mehr hatte. Ich bat um Licht um mir seinen Körper anzuschauen. Er lag auf dem Bauch um zeigte mir seinen Rücken. Knapp über dem Steiss hatte er zwei schlimm aussehende Narben- ein Unfall vom 11 Meter Turm. Beinahe wäre er gelähmt gewesen. Meine unbedarfte Art  fragte ihn, ob er noch mehr Wehwehchen hätte und er sagte: „Jap, ich hab einen Tumor im Kopf.“

Wir schliefen ein.

Am nächsten Morgen machte ich Kaffee, weckte ihn um 11:15 Uhr langsam und wir lagen im Bett und umarmten uns. Er war still, schien nicht ganz auf dem Damm zu sein. Kein Wunder, immerhin hatten wir ein paar Stunden zuvor getrunken und wahrscheinlich schien sein Kopf ihn für den Alkohol nicht zu mögen.

Ich fragte ihn ob ich ihn alleine lassen soll, ob er seinen Kater lieber im Bett ausschmollen möchte ohne mich. Er sagte nur: “ Nein, ich muss auch gleich aufstehen und was essen, da mir die Tabletten sonst so sehr auf dem Magen schlagen.“ „Welche Tabletten? Gegen die Kopfschmerzen?“ „Nein, ich muss welche gegen epileptische Attakten nehmen, da einer meiner Tumore zu sehr gegen den Hirnstamm drückt.“

Da war es.

„Du verarschst mich, oder?“ “ Nein, ich habe 3 Tumore in meinem Kopf. Das weiss ich seit 3 1/2 Jahren. Die Aertze haben mir gesagt das es wahrscheinlich um die 4 Jahre dauern wird, dann ist der eine Tumor zu gross und man muss ihn operieren,wenn er mich bis dahin nicht so schon vollständig beschädigt hat. Die OP wurde bisher nicht durchgeführt, da das Riskiko zu hoch ist.“

Und dann sitzt man da- versucht die Fassung nicht vollendszu verlieren, versucht die Situation zu begreifen, die richtigen Worte zu finden und einen Menschen zu stützen, den man kaum kennt aber der sich rasant einen Platz in meinem Herzen gesucht hat.

Heute ist Dienstag, er hat es mir am Sonntag gesagt. Den halben Sonntag habe ich geschlafen; Montag den ganzen Tag. Ich habe es nicht geschafft in die Uni zu gehen, habe Kopfschmerzen vom ganzen Nachdenken und der Schmerz sitzt tief. Ich habe seit langer Zeit wieder starken Schmerz und stumpfe Verzweiflung in mir- der Schmerz des Tods meiner Oma, welche letztes Jahr an Krebs starb überrennt mich. Wie soll mein Herz mit solch einer Information umgehen? Wie soll ich mit diesem Menschen umgehen? Er ist toll, ich mag ihn so sehr und nun, tja nun sitze ich hier, es ist Dienstag und ich habe den halben Tag wieder als grau empfunden. Meine ganzen Gedanken drehen sich nur noch um Alan, um das Gespäch welches ich dringend mit ihm führen muss und um die Zukunft.

Das Schicksal ist ein Arschloch. Ganz sicher. Denn nun lerne ich einen Menschen kennen, der so wunderschön in seiner Art ist und mir sagt, dass ich ihn nicht für immer halten kann. Womit hat das Schicksal sich das Recht genommen, ihn mit solch einer Diagnose zu bestrafen? Er ist doch so jung und solch eine Bereichung für alle die ihn kennenlernen dürfen.

Naja, wer um alles in dieser Welt hat solch eine Diagnose schon verdient? Vielleicht ist es ein Zeichen für mich, vielleicht soll ich mich wieder auf anderes besinnen, vielleicht ist es das was ich nun mal bin. Ein Mensch der die wunderbarsten Menschen dieser Welt kennenlernt und lernen muss das nichts unendlich ist. Ich möchte aber, dass er ein Teil meiner Unendlichkeit wird und ich möchte das er in seiner zauberhaften Art viel mehr Menschen die Freude bereitet und sie damit beglückt.

Krebs- du bist so ein unendlich mieser Verräter, ein Arschloch, ein richig grosses, scheiss verdammtes Arschloch.

Morgen werde ich zu Alan fahren und mit ihm frühstücken, ich muss es ansprechen das es mir Angst macht. Und, dass ich ein Teil in seinem Leben sein möchte, wenn er mich denn lässt.

 

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Lügen haben kurze Beine- oder: Wenn Grossstädte zum Dorf werden

Wenn ich mich selber beschreiben müsste, würden die Worte „emotional“ und „ehrlich“ eine grosse Rolle in meiner Selbstbeschreibung spielen. Zwei Adjektive die mir viel Glück und Schmerz in meinem Leben bereitet haben. Gerade wenn es um meine Ehrlichkeit geht, kam und komme ich oft zu der Erkenntnis, dass viele Menschen nicht den selben Hang und Drang wie ich verspüren, über Dinge zu reden. Ich versuche Dinge bestmöglich anzusprechen( habe oft auch Angst davor und manchmal lähmt mich diese Angst zutiefst) und so einen Prozess durchleben zu können oder um nicht in die Bredouille zu kommen, mich erklären zu müssen, wenn ich es nicht möchte. Viele Worte, kurz: Belogen zu werden ist einer der für mich schlimmsten Zustände die es gibt.

Im Januar dieses Jahres lernte ich Florian über Tinder kennen. Ein Mann der ganz mein Geschmack war- blond, gross und ein kleiner Macho. Wir gingen Kaffee trinken und endeten überraschenderweise in meiner Wohnung, in welcher er mich verführte. Ich erlebte eine Form von Sex die ich nicht kannte, eine sehr dominante in welcher ich nicht viel zu melden hatten und durchlebte Orgasmen, welche ich seit vielen Jahren nicht mehr erlebt hatte, zugefügt von einem Wildfremden. Das war der Beginn einer Affäre, welche nun bis Oktober dauerte. Wir sahen uns meistens 1 Mal im Monat, redeten nicht viel sondern beschränkten uns auf dominanten Sex- eine Auszeit die ich sehr genossen habe in einem stressigen Alltag.

Florian ist ein Mann, den viele aus meinem Freundeskreis nicht mögen würden. Ein Egomane mit einem hohen Grad an Selbstverliebtheit und Eigenüberzeugung, jemand der sich eher für die „unschönen“ Varianten im sozialen Leben entscheiden würde und jemand, der lebt um zu arbeiten. Doch ich mag ihn. Es gab Momente in welchen er schwach war, sich mir öffnete und mir über seine sensible Seite berichtete, Phasen in welchen er Depressionen durchgangen ist und Phasen in welchen er sich selber sehr hasste. Offenbarungen die mir halfen eine andere Verbindung zu ihm aufzubauen- er fing an Sympathie in mir auszulösen und ich sorgte mich um seinen Zustand.

Wenn wir uns also sahen, sprachen wir neuerdings auch über Dinge aus unserem Leben und mussten uns wohl eingestehen, dass wir eigentlich ein gutes Team sind. Dennoch: nach dem Sex, ging ich meistens nach Hause, eine Trennung die ich mir erhalten wollte um die Beziehung beim Sex zu belassen. Seine Art zu leben widerstrebte mir zu sehr als dass ich mehr Empathie für ihn entwickeln wollte.

Bei unserem letzten Treffen im September war unsere Begegnung sonderbar. Anders als sonst, gab es keinen Sex zur Begrüssung, sondern einen Kuss und den Hinweis, dass wir Bier auf der Couch trinken werden. Also ging es auf die Couch und der Tv lief. Es fühlte sich anders und distanziert an und ich verstand die Situation nicht wirklich. Also tranken wir Bier und sahen einen komischen Film, der mich nicht sonderlich ansprach.

Nach einiger Zeit sprach ich ihn auf eine Situation an, welche einige Tage zuvor passsiert war. Wir trafen uns beide in unseren Autos, auf einer Kreuzung, standen uns gegenüber- er schaute zu mir rüber- ich grüsste ihn- er erkannte mich nicht. Als ich irgendwann den Mittelfinger hob, erkannte er mich, strich sich durchs Gesicht und schaute ein wenig verdutzt. Seine blonde Beifahrerin, schien allerdings mehr von dieser Situaion verwirrt gewesen zu sein. Also fragte ich ihn, wer diese Frau bei ihm in Auto war und er antwortete mir, dass dieses in der Klärung sei. Eine Nachricht die mich verwunderte, da er doch der emotionslose, Beziehungsunfähige Typ zu sein schien- aber nach anfänglicher Verwirrung, strich ich ihm durch die Haare, schaute ihn an und sagte ihm aus vollem Herzen, dass ich mich für ihn freuen würde, wenn er sich verlieben würde. Liebe tut jedem Menschen gut. Florian drukste rum und antwortete das er jemand sei, der keine Liebe braucht.

Wir entspannten uns nun ein wenig und es wurde Zeit den Abend zu beenden. Er schaute mich an und bat mich über Nacht zu bleiben, er sei nun müde und möchte gerne schlafen gehen. Ich hatte keine Probleme damit, schaute ihn an und sagte das ich aber gehen würde. Er verstand es nicht und wurde zickig und beschwerte sich warum ich nicht wenigstens diesen Abend dableiben könnte. Ich nahm seine Hand, schaute ihn an und antwortete ehrlich, dass ich nicht gerne bei Männern übernachte mit welche ich nur Sex habe.

Auf einmal wurde er sauer, verzog sein Gesicht, ging auf Abstand und antwortete patzig: “ Als ob wir beide nur Sex haben würden.“

Ich verstand diese Aussage nicht. Nie hatten wir über eine mögliche Definition gesprochen, nie gab er mir das Gefühl das wir es tun sollten und nie wollte ich es- da ich den Sex zu sehr genoss um ihn durchs Reden kaputt machen zu wollen. Nach einer langen Diskussion, bösen und ehrlichen Worten nahmen wir uns in den Arm und sagten uns das wir uns lieb haben. Ich würde über Nacht bleiben- da es wohl zuerst der letzte Abend sein wird den wir zusammen vebracht haben, da ich die Stadt verlassen werde.

Also gingen wir beide am Nächsten Tag auseinander und ich hatte ein komisches Gefühl- schrieb ihn noch einmal ob wir über etwas reden sollte, ob ein Bedarf an Definierung bestünde. Nein- dieser bestünde nicht. Es ist alles perfekt so wie es ist.

Nun rief Eugen mich vor ein paar Tagen an, er weiss das Florian und ich Sex hatten. Weiss von der Art von Florian, von unserem letzten komischen Treffen, weiss das Florian ein sehr promiskuitiver Mensch ist und wahrscheinlich auch nicht als der einfühlsamste Mensch beschrieben wird.

Da Eugen ein Mensch ist welcher die Theorie der Polyamorie vertritt, traf er sich mit einer Frau, welche ihm schnell sagte, dass sie in einer Beziehung sei- diese aber offen ausgelebt wird. Gerade ihr Partner sei ein sehr promiskuitiver Mann und sie möchte dieses nun auch haben, weswegen sie sich mit Eugen trifft. Sie erzählte von ihrer Beziehung welche seit zwei Jahren bestünde und beschrieb ihren Partner mit Namen, Arbeit und Charakter. Sie ist die Freundin von Florian. Seit zwei Jahren.

Eugen erzählte mir, dass ihm alle seine Gesichtszüge entglitten sind. Kaum habe ich die Stadt verlassen, da trifft er eine Frau welche ebenfalls in dem „Sexkonstrukt“ von Florian ist. Seine Reaktion war wohl offenssichtlich überrascht und es fiel auch ein Mal mein Name, mit dem Hinweis, dass er jemanden kenne welche mit ihrem Freund eine Affäre habe und das Eugen an diesem Punkt gerne erst mit mir darüber sprechen möchte.

Also tat er das. Wir telefonierten direkt nach diesem Treffen, er erzählte mir das Florian eigentlich vergeben sei und das seine Freundin wohl in vielen Fällen unwissend ist, wenn es sich um die Partnerwahl ihres Freundes handle.

Ich wusste nicht recht ob ich lachen oder weinen sollte. Wie kann es aber sein, dass man sich fast ein Jahr lang sieht, dass Intimste austauscht welches körperlich möglich ist und es ihm nicht einfiel, zu keiner Zeit, seine Freundin zu erwähnen? Mal ganz von den letzten Treffen abzusehen in welchen der Sex an einen anderen Stellenwert für Florian gerutscht zu sein schien.

Ich verabscheue Lügen und war tatsächlich ein wenig traurig das Florian es geschafft hatte mein Vertrauen zu gewinnen, dieses aber nicht zurück gab. Am nächsten Tag schrieb Florian mir, erklärte mir irgendwas von „Bogen glätten müssen“ mit seiner Freundin und was ich anscheint Eugen erzählt hätte, was zwischen Florian und mir war. Was erwartete er zu hören? Er wollte Informationen über Eugens denkweisen und ob auf ihn “ böse“ Ueberraschungen zukommen werden? ( Welche sollten das sein??? Liebe?)

Tja, anscheint war zwischen ihm und seiner Freundin das letzte Jahr nicht viel Ehrlichkeit da, was mir für sie wirklich leid tut. Immerhin etwas, was ich mir in diesem Konstrukt wirklich nicht vorwerfen kann. Eugen geniesst mein volles Vertrauen, ich schenke ihm jede einzelne Ehrlichkeit. Denn das Gefühl hintergangen zu werden, ein Leben in einem Lügenkonstrukt zu leben oder jemanden als „falsch“ kennengelernt zu haben, dass sind Schmerzen welche lange an mir zerren.

 

Wenn das Herz und der Kopf eine andere Sprache sprechen Teil 1

Die Trennung von meinem Exfreund, war eine der schmerzhaftesten Erfahrungen die ich im Bezug der Liebe erleben musste. Wir trennten uns im Guten, mit dem Wissen, dass die Pläne einer Familie und der Ehe, nun für uns beide in ungewisse Ferne rutschen werden. Und so sehr es uns schockierte, dass die Realität uns eingeholt hatte, so sehr schockierte diese Nachricht auch unsere Familien und Freunde.

Die letzten Monate lebte ich daher ein sehr promiskuitives Leben und genoß meine Freiheit, mit dem Wissen, dass mein Herz nicht bereit sein wird, eine solche Liebe schnell wieder zu finden.

Vor einem Monat passierte mir aber etwas unerwartetes. Nachdem ich mir selber eingestehen musste, dass ich nun langsam wieder Lust auf etwas Festes, aber offenes hätte, nahm ich die Datingapps  anders wahr. Ich sortierte die Männer gleich aus, die Ihren Penis anpriesen oder stumpfe Angebote für ungebundenen Sex machten. Ich habe Lust auf einen Mann der offen und neugierig ist und mit mir andere Sphären der Sexualität, Lust und Liebe erkunden möchte.

Dann kam dieser Montag, Ende August. Ich schaute wieder bei Tinder vorbei und fand jemanden, mit dem ich zuvor schon bei OKC ein paar sehr nette Worte gewechselt hatte. Es war ein komischer Tag an welchem meine Stimmung recht niedergeschlagen war und an welchem ich mich früher entschied, die Arbeit zu verlassen. Das erneute Match bei Tinder, ließ uns beide schreiben und spontan für einen Kaffee verabreden.

Ich versprach mir nicht viel davon, als ich zu dem Cafè fuhr in welchem wir uns spontan nach 30 Minuten treffen wollten.

Und dann stand er da. An die Mauer vor dem Cafè gelehnt, ein blaues Hemd, graue Tommy Hilfiger Hose und braune Lederschuhe. Die Haare waren akkurat nach hinten gegeelt und der erste Blick den er mir zukommen ließ, endete in einer Verwirrung, welche mich unsicher machte. Dachte er etwa: „Oh weh, auf was habe ich mich denn hier eingelassen?“. – Aber egal, da musste ich nun durch. Also wurde die Sonnenbrille zurechtgerückt, der Rücken gestreckt und ein Lächeln huschte mir über die Lippen, als ich ihn umarmte.

Ich ertrank die ersten 5 Minuten in sinnlosen Gerede, während wir an der Theke standen und auf unseren Kaffee warteten. Da war er- Eugen- und strahlte eine Sicherheit und innere Schönheit aus, welche ich noch nie zuvor gespürt hatte. Wir setzten uns an einen kleinen Tisch- gegenüber voneinander- und ich war überraschenderweise, ich selbst. Ruhig und innerlich zufrieden. Ein Gefühl welches dem Tag nicht gerecht wurde und anscheint von der Präsenz von Eugen ausging. Wir unterhielten uns eine Stunde, und wie es schien ,berührten meine Worte ihn so sehr, dass es einen Moment gab,in welcher bei ihm eine Träne lief. Er berührte mich zutiefst. Wer war dieser Mensch der vor mir saß?

Als Eugen und ich uns verabschiedeten tauschten wir unsere Nummern aus und beschlossen, dass wir uns gerne wiedersehen wollen. Auf dem Weg nach Hause begann mein Kopfkino. Wer ist dieser Mann und was macht er mit mir? Ich sah vor meinem inneren Auge schon, wie ich meiner damaligen Affäre erzählen würde, dass ich wen kennengelernt habe, dass wir vorm Standesamt stehen und uns das Ehegelübte geben und wie ich meine Eltern anrufen werde um ihnen zu erzählen, dass ich den Mann meines Lebens gefunden habe.

Zuhause sitzend und dabei Dinge auszusortieren- fingen wir 2 Stunden später an zu schreiben. 45 Minuten später war ich auf dem Weg zu ihm- mit Schlafuntensilien, damit ich eine Nacht bei einem Mann verbringen kann, den ich nicht kenne aber der ein größeres Vertrauen in mir hervorrief als viele meiner langjährigen Freunde.

Als ich aus meinem Auto ausstieg, kam er mir schon entgegen: T-Shirt, Jogginghose und Schlappen; Arme die frei waren und erblicken ließen, dass seine Haut mit wunderschönen Tattoos verziert war. Was für ein Mann. Ein Anblick der mich stocken ließ und ein Lächeln bei mir verursachte, welches er mir mit einem warmen und innerlich wunderschönen Lächeln zurück schenkte.

Wir saßen draußen. Eugen hatte ein kleines Lagerfeuer in seinem Garten angemacht und wir tranken alkoholfreies Bier, während wir uns über unser Leben erzählten. Ganz frei und ungeschoren, erzählte er mir aus seinem Leben und ich saß neben ihm und lauschte seiner Stimme und Worte. Dieser Mann war nicht nur unheimlich schön, der Tonus seiner Stimme beruhigte mich.

Nach zwei Stunden schaffte das kleine Feuer es nicht mehr mir genug Wärme zu spenden, weswegen wir uns entschieden in seine Wohnung zu gehen. Tee trinkend saßen wir dann auf seinem Sofa, und schauten uns lange und intensiv in die Augen. Seine Augen leuchteten, faszinierten mich und die Luft zwischen uns reichte mir um mich voll und ganz in meiner Lust gestillt zu fühlen.

Doch dann kam der Punkt an dem wir entschieden, schlafen zu gehen. Ich brauchte meine Weile im Bad und obwohl wir beide bis auf eine Umarmung keinen Körperkontakt am ganzen Abend hatten, fanden wir es richtig die Nacht zusammen in einem Bett zu verbringen. Als ich in meinem Nachthemd in sein Bett schlüpfte, durfte ich einen Blick auf seinen nackten Oberkörper werfen. Die Konturen, welche sein T-shirt zuvor hatte abzeichnen lassen, ließen einen durchtrainierten Oberkörper erhoffen. Doch das was sich in Wirklichkeit drunter verbarg, ließ mich für eine Sekunde verstummen.

Wie sollte ich es schaffen, neben einem Mann einzuschlafen, diesen nicht zu berühren und das Gefühl zu haben, dass er in seiner Art und Schönheit das Wunderbarste ist, was mir vielleicht jemals untergekommen ist? Aus meiner Nervosität heraus konnte ich meine Unsicherheit nicht für mich behalten und sprach es an, dass es eine Premiere für mich sein wird, ungeküsst neben einem fremden Mann einzuschlafen.

Daraufhin nahm er mich in den Arm. Seine Haut war ganz weich und warm, und roch nicht nur nach ihm, sondern war mit der Luft des Lagerfeuers und der leichten Kälte vermischt. Er streichelte mich an meinem ganzen Körper, hielt meinen Kopf und drückte meinen Körper an seinen. Seine Muskeln spannten sich an und ließen mir das Gefühl geben, als ob ich das perfekte Gegenstück seines Körpers sei, auf welches er nur gewartet hatte. Jede Berührung wurde intensiver und ich konnte es nicht verstehen. Es war als ob er meine Gedanken lesen konnte, als ob er ich sei- nur als Mann. Egal wie er sich drehte, bewegte, mich anfasste, es war richtig und das Intensivste was ich je erlebt habe.

Nach einiger Zeit war ich verzweifelt. Ich kochte innerlich vor Lust und sein harter Penis schmiegte sich an mein Körper. Wollten wir diesen Moment des unsagbaren Glücks und Intimität in einem eventuellen One Night Stand beenden? Wir waren beide so verdutzt und unglaublich eingenommen voneinander, dass noch nicht mal ein Kuss nötig war um die Erotik und Spannung bis ins Unendliche steigern zu lassen.

Wir schliefen miteinander, wir küssten und verzehrten uns. Doch stoppten wir nach einiger Zeit. Wir sind beide nicht zum Höhepunkt gekommen und wollten es dabei belassen. Wir lagen uns in den Armen, schauten uns tief in die Augen und küssten uns. Irgendwann Nachts schliefen wir ein. Wahrscheinlich schwebten wir auf einer Wolke. Zumindest klingelte der Wecker am nächsten Morgen um 5 Uhr. Eugen hatte fast gar nicht geschlafen und ich war hell wach. Ich war im Land meiner Träume angekommen. Nur das es kein Traum sondern die Realität war.

Wenn Vorurteile so wunderbar gebrochen werden

Ein typischer Chaossamstag liegt hinter mir. Der Tag war mit vielen Emotionen gefüllt und mit Stress geplagt. Also entschied ich, dass ich Abends zu meinen Eltern fahren werde.

In der Stadt in welcher ich groß geworden bin, wohnen noch immer Freunde von mir- eine Freundin davon- nennen wir sie Marie- ist immer ein wenig anders als die anderen.

Wenn ich mit Marie unterwegs bin, eskaliert der Abend meistens. Wir trinken beide immer ziemlich viel und enden meistens beide mit einem Mann ab. Jede für sich mit einem.

Samstag war es ähnlich. Wir waren erst bei Marie und haben ein wenig vorgetrunken um dann später in die Stadt zu gehen. Die beiden Tage zuvor hatte ich über OK Cupid mit jemanden angefangen zu schreiben. Optisch hatte er mich zuerst nicht so angemacht, aber die Art wie er schrieb, ließ mich doch interessiert sein. Also hielten wir es fest, dass wenn ich am Wochenende bei meinen Eltern bin, ich mich spontan bei ihm melde. Und so tat ich es.

Seinen Bildern nach zu urteilen, schien er ein Staatsanwalt oder Richter von Beruf zu sein, was ich als spannend empfand. Denn so sehr ich denke, dass jeder seine Zeit braucht um sich zu finden- ich mag Männer die wissen was sie möchten und auch diese, die nicht davor zurückschrecken, ein schwieriges Studium aufzunehmen.

Also traffen wir uns zu dritt in einer Kneipe. „Claas“ kam um die Ecke und ich war überrascht, wie wenig die Fotos vom OKC ihm in Wirklichkeit recht taten, aber welch freudige Überraschung. Nachdem wir schnell feststellten das er kein Alkohol trinkt, sind wir in die Bar gegangen, damit Marie und ich etwas zu trinken bekamen.

Anfangs war er ein wenig angespannt, wirkte sehr schüchtern und hatte von Anfang an, eine sehr ruhige und emotionale Art an sich. Was treibe ihn denn eigentlich in die Stadt? Hat es was mit seinem Beruf zu tun? Und was macht er eigentlich?

Da war es dann- ein angehender Polizist. Das erste Staatsexamen in Jura hat er beendet um sich dann an der Polizei zu versuchen. Ein Polizist- na toll. Meiner Erfahrung nach zu urteilen, waren diejenigen Polizisten die mir im „dating“ Rahmen über den Weg gelaufen  sind, Vollidioten. Von sich selbst stark überzeugte Männer, die in ihrer Artikulation schon eine Art von Prüderie in sich hatten, aber von sich glaubten, die Stecher der Nation zu sein. Merci- ich habe keine Lust mehr auf Polizisten.

Naja und dann stand da Claas.

Er ist anders als diejenigen Polizisten die ich zuvor kennengelernt hatte und ein Mann, der sich in seiner Sexualität, komplett ausgelebt hat. Ich mag das sehr. Ich mag diese Männer, die wissen was sie mögen und vieles ausprobiert haben- keine Angst vor einem Fetisch haben und auch keine Angst die Sexualität frei zu erkunden.

Mit der Späte des Abends wurde die Gruppe größer in welcher wir uns befanden. Wir beide waren die Ältesten. Er ist Anfang 30 und ich bin Ende 20. Diejenigen die bei uns waren, sind Anfang/Mitte 20.

Ich denke, dass das Alter in vielen Facetten keine Rolle spielt, doch an dem Abend spielte es wieder ein Rolle- es wurde eine Spieleapp auf den Tisch gelegt und „I never had gespielt“. Würde Claas Alkohol trinken, dann wär er schnell betrunken gewesen. So mussten wir beide, bei fast jeder Frage, zur Flasche greifen und trinken. Es ging hauptsächlich um Sex.

Ein wirklich sehr charmanter Moment- wenn sich zwei Personen innerhalb von 20 Minuten offenbaren- wie eperimentierfreudig der Andere in den letzten Jahren war.  Ein Einstieg der uns beide wohl schnell innerlich überzeugte, dass wir die Nacht nicht getrennt verbringen wollen.

Und so kam es, dass ich in die Kaserne der Polizei reingeschmuggelt wurde und eine Nacht erleben durfte, die sich in vollen Zügen gelohnt hat. Abends waren wir noch essen- in einem Restaurant am Wasser, alleine in einem großen Raum, bei Kerzenschein und Kuschelrock.

Er wird mich diese Woche wohl noch mal in meiner fast leeren Wohnung besuchen.

Chaos und Dating oder Datingchaos?

Wer hat das eigentlich mit diesem umziehen erfunden? Heute verstehe ich wieder warum es Firmen gibt, die Geld damit machen, damit sie den Umzug von anderen Leuten übernehmen.

Ich sitze in einem riesen Chaos, gestapelte Bücher und Kartons, Teller auf der Spüle und das Schlafzimmer geht in Klamotten unter. Ich hasse es mein Leben in Kartons zu sperren und mir wieder bewusst zu werden, dass ich auf der einen Seite viel zu viel sammle und auf der anderen, dass das Leben weitergeht und die Erinnerungen- ob gut oder schlecht- bleiben.

Ich habe viele Fotos gefunden von Stunden in denen ich so anders war, aber glücklich.

War ich da wirklich glücklich oder entwickelt man anderes Glück einfach über die Zeit? Ich meine ich war so lange zufrieden mit dem Gedanken das es einen Mann an meiner Seite gab und nun finde ich die Idee zwar wunderschön, aber sie engt mich ein zu wissen, dass ich mich nicht mehr so ausleben dürfte wie ich es möchte. Ist das eigentlich egoistisch oder ist das die überfällige Reaktion und moderne Einstellung, nicht mehr auf das zu verzichten was einen glücklich macht?

Ich glaube wirklich langsam das ich es schwer haben werde jemanden zu finden, der mit mir so zurecht kommt. Zum einen weiß ich langsam wirklich was ich möchte und zum anderen wünsche ich mir einen Mann mit dem ich auf der selben Augenhöhe sein kann. Es scheint aber immer noch ein Ding der Unmöglichkeit zu sein und das im Jahr 2017.

Des Weiteren muss ich mir aber auch selber eingestehen, dass ich anscheind einen Hang zu dominanten Männern habe. Denjenigen die nicht immer ja und amen sagen und auch zu diesen, die es nicht offen zugeben das sie Gefühle haben.

Das macht die Sache ungemein schwerer.. und wenn dann doch jemand dazwischen ist bei dem ich bereit bin mein Herz zu verschenken, dann tue ich das anscheind zu schnell.

Dieses gedate ist aber auch kompliziert. Bestes Beispiel ist z.B wieder Tinder. Da schreibt mich jemand an und schlägt vor, dass ich doch zu ihm kommen könnte, er macht den Kamin an und dann schauen wir mal. Auf die Frage was er sich davon erhoffe und das ich keine Lust auf rein körperliches habe, kam von ihm nur ein : “ ONS sind sowieso nicht meins“. Ahja, also wollte er wohl mit mir vor dem Kamin Händchen halten?

Ganz ehrlich? Ich habe nichts gegen unkomplizierten Sex, aber ich bitte drum, dass ein wenig mehr Intention schon dabei sein könnte. Ist es zu viel verlangt, bevor man sich auf einer körperlicher Ebene trifft, Worte an einem neutralen Ort auszutauschen? Oder hat der Tinderwarn es schon so weit gebracht, dass man heutzutage direkt zu sich nach Hause einlädt?

 

 

 

Wenn das Herz aus Zuckerwatte ist und das Leben eher zähes Karamell

Ich bin hochsensibel. Schon immer. Und seit einigen Jahren lebe ich mit dem Gewissen, dass es ausgesprochen wurde. Ich bekomme wesentlich mehr von meinen Mitmenschen mit. Gespräche welche leise sein sollten, Blicke oder Gefühlsschwankungen. Ich kann einen Raum betreten und merke, wenn vorher in diesem Raum gestritten wurde.

Diese “ Gabe“ produziert aber auch etwas, was nicht so einfach ist- man bekommt alles von seiner Umwelt mit. Daher durchdenke ich viel, hinterfrage mich und andere und ein kleines Missverständnis kann mir manchmal einige Stunden an Nachdenkzeit genommen haben.

Um dieses Wirrwarr in meinem Kopf zu ordnen, half mir die letzten Jahre mein Partner. Wir waren fast 6 Jahre zusammen und er hat mich in vielen Situationen in meinem Leben geerdet und Dinge mit mir besprochen, in welchen ich der Unsicherheit schon wieder zugeneigt war.

Seit 10 Monaten laufen ich nun als Single duch die Welt. Ein Gefühl was ich bisher noch nicht wirklich kannte, da ich es hasse alleine zu sein. Es löst in gewisser Weise Angst in mir aus, Angst das man selber nicht geliebt wird. Oder die Angst, dass man alleine seine Welt bewältigen muss.

Seitdem ich wieder alleine bin, experimentiere ich herum um diesen Gefühl davon zu laufen. Mal den, mal den anderen- und wundere mich wie viel Spass  das Leben und der Sex doch machen kann. Ich endecke nicht nur das ich anscheinend eine Seite an mir habe, die ich vorher noch gar nicht kannte, sondern entdecke, dass ich zwar etwas vermisse, aber nicht mehr monogam sein möchte. Was macht man aber, wenn man Spass und Liebe vereinen möchte und das Herz doch eigentlich eher ein Zuckerwattetyp ist?

Ich bin unheimlich stark und selbstbewusst- zumindest sagt man das über mich… und im Inneren ein kleines Chaos was sich in Unsicherheit wiegt.

Zurzeit frage ich mich viel ob dieses Chaos was ich habe und auch bin, überhaupt noch geliebt werden kann.. Gibt es jemanden der sich auf eine Person wie mich einlässt? Ich meine, anscheind kann ich wohl tolle Akrobatiken im Bett, aber gibt es jemanden, der stark genung ist um den Rest mit mir teilen zu wollen?

Wahrscheinlich kommen viele an den Punkt, nachdem die Tinderhochphasen abschwappen und vielleicht bin ich auch nicht die Einzige auf dieser Welt, die dieses Wirrwarr im Kopf trägt. Vielleicht ist es aber auch die Angst, die wieder in mir hochsteigt, die Angst vorm alleine sein… Und wenn ich das hier so schreibe, frage ich mich ernsthaft, warum ich sie eigentlich habe?

Was ist so schlimm am alleine sein?